Überbleibsel vergangener Aristokratie oder modisches Accessoire?

Überbleibsel vergangener Aristokratie oder modisches Accessoire?

In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Weihnachten, die wichtigsten Feiertage für viele Europäer, stehen vor der Tür. Vielfach wird auch die Kleidung diesem Anlass angepasst und im ganzen Land erlebt ein Kleidungsstück ein ungewohntes Jahreshoch – die Krawatte.

Aber ist eine Krawatte überhaupt noch zeitgemäß?

Vielleicht hilft es, zunächst einen Blick auf die Ursprünge des Schlipses zu werfen. Der Legende nach soll der Sonnenkönig Louis IX für die Verbreitung gesorgt haben. Anlässlich einer Militärparade vor dem Schloss Versailles 1663 marschierte auch ein kroatisches Regiment auf. Weniger die Demonstration militärischer Stärker, sondern vielmehr deren modisches Accessoire sollen es dem Regenten angetan haben – ein elegant gebundenes Halstuch.

Ob sich das wirklich so zugetan hat, lässt sich schwerlich rekonstruieren. Fakt ist jedoch, dass sich die Begrifflichkeit Krawatte vom französischen Wort a la cravate ableitet, was kroatisch bedeutet.

Keineswegs waren die Kroaten jedoch die Ersten, die auf die Halstücher zurückgriffen. Bereits auf römischen Reliefs sind Soldaten zu sehen, deren militärischer Rang sich aus dem Halstuch ableitet. Ähnliche Darstellungen gibt es auch aus dem 30-Jährigen Krieg im 17. Jahrhundert.

Durch den französischen Adel wurde die Krawatte allerdings erst im zivilen Leben verbreitet.

Deutlich hat sich seitdem jedoch das Aussehen gewandelt. Vom barocken, besonders pompösen Halstuch hin zum dezenten länglichen Stoffstück, wie wir es heute kennen.

Mittlerweile gibt es Krawatten in den unterschiedlichsten Farben und Mustern. Einfarbig, gestreift, gemustert, Motivkrawatten, aus Holz, Leder und sogar aus Metall. Zum Binden stehen auch diverse Knoten zur Verfügung. Mehr als 180 verschiedene Arten soll es weltweit geben – auch wenn die meisten Männer mit Windsor, Four-in-Hand und Prattknoten auskommen.

Aber zurück zur Frage, ob Krawatten noch zeitgemäß sind.

Bewegungen, die Krawatte abzuschaffen, gibt es seit deren Bestehen. Krawatten galten und gelten als Statussymbol – dementsprechend gab es auch immer Strömungen, die sich von genau diesem Status absetzen wollten. Schon während der Industrialisierung unterschieden sich die Büroangestellten von den Arbeitern durch das Tragen einer Krawatte. In der Nachkriegszeit herrschte gesellschaftlicher Krawattenzwang. Selbst Studenten besuchten die Vorlesung mit Krawatte.

So gingen ebendiese zu Beginn der 68er Revolution noch mit Krawatte demonstrieren. Erst später, als die zunächst politischen Proteste zu einer gesellschaftlichen Bewegung wurden, versuchte man, sich optisch durch das Ablegen der Krawatte von der Elite abzusetzen.

Gleichzeitig setzten die Beatles einen anderen Trend. Sie trugen die Krawatten weniger als Statussymbol, sondern mehr als modisches Accessoire.

Unabhängig davon ging der wirtschaftliche Aufstieg weiter und die Krawatte war weiterhin ein Symbol für Status und Seriosität. Gerade in großen Daxkonzernen, der Finanz- und Versicherungsbranche ist die Krawatte nicht wegzudenken.

Derzeit gibt es jedoch eine neue Bedrohung für den Schlips, der aus den USA – genauer aus dem Silicon Valley – zu uns nach Europa schwappt. Seit Beginn des Aufstiegs der Global Player aus Kalifornien versuchte man, sich auch modisch neu zu definieren, abseits der etablierten Industriekonzerne. Das ist durchaus verständlich, wenn man sich den rasanten Aufstieg von Google & Co anschaut. Gerade hat man noch Computer in der elterlichen Garage zusammengeschraubt, ist man wenig später Vorstandsvorsitzender eines milliardenschweren Großkonzerns. Da bleibt wenig Zeit, die Badelatschen und T-Shirts gegen Anzug und Krawatte zu tauschen.

Da die Tech-Konzerne und Starts Ups des Silicon Valleys jedoch Vorreiter der Weltwirtschaft sind und selbst etablierte Industriebetriebe wie Daimler und Bosch die Coolness von Facebook und Apple ausstrahlen wollen, passt man sich auch modisch an. Daimlerchef Dieter Zetsche sieht man zunehmend ohne Schlips, genauso wie Joe Kaeser von Siemens. Mehr noch als die modische Nachahmung von Computernerds geht es aber auch um die Anpassung von Unternehmensstrukturen. Flache Hierarchien, Fehlertoleranz und gleichberechtigter Umgang passen scheinbar nicht zur Krawatte. Das gleiche gilt für Kundenkontakt. War es vor einem Jahr noch große Schlagzeilen wert, das ALDI Nord nun auf Krawatten verzichten möchte, muss man sich heute als Unternehmen rechtfertigen, warum man einen solchen Schritt nicht schon viel früher gegangen ist.

Ob dies ein dauerhafter Trend ist, oder sich die Krawatte doch wieder erholt, lässt sich kaum sicher absehen. Viele Unternehmen setzen auch nach wie vor bewusst auf die Krawatte als Ausdruck ihrer Corporate Identity, von Sicherheit und Seriosität. Zu festlichen Anlässen im Privatleben gehört eine Krawatte wohl ebenfalls auch in naher Zukunft noch dazu.

Genau wie bei der Polizei und der Deutschen Bahn. Dort trägt man übrigens nur Krawatten zum anknipsen, damit die Mitarbeiter im Falle eines Übergriffs nicht stranguliert werden können.

Für alle, die sich an Weihnachten trotz Krawattenrückgangs für den schicken Schlips entscheiden, haben wir noch ein paar Tipps zusammengestellt:

Auf die richtige Länge kommt an: Während früher aufgrund der enormen Krawattenbreite empfohlen wurde, die Krawatte möglichst kurz zu binden, trägt der gut gekleidete Mann seine Krawatte heute so, dass sie etwa am Hosenbund endet.
Die Breite einer Krawatte richtet sich auch nach der Körperfülle. Grundsätzlich gilt: Derzeit sind schmale Krawatten angesagt. Zu schmale Krawatten, können jedoch bei großen Körpern schnell unpassend wirken.
Hochwertige Krawatten mit hochwertigen Materialien zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich einfach binden lassen und sie nach dem Tragen wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Bei billigeren Polyesterkrawatten kann es häufig zu Falten kommen.
Je größer und ausufernder die Motive auf einer Krawatte sind, desto weniger seriös wirkt sie. Sprüche, Bärchen und Herzen haben auf der Krawatte also selten etwas zu suchen.
Krawattennadeln verhindern Missgeschicke beim Essen oder bei stürmischem Wetter

Natürlich beraten wir Sie auch bei der Wahl der richtigen Krawatte oder produzieren Ihre eigene Krawattenkollektion in Ihrer Firmen-Ci. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gerne.

 

Veröffentlicht am: 20.12.2016

 

 

Tags: